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»Bayern ist zu feucht, zu grün, zu saftig. Ich hause auf einer grünen Wiese, schaue auf die verdammten Berge und schreibe verfluchten Quatsch.« Trotz dieser Zeilen, die der englische Schriftsteller D. H. Lawrence in Irschenhausen niederschrieb, scheint er sich in dem verträumten Bauerndorf vor den Toren Münchens wohlgefühlt zu haben.  

Und er  blieb nicht der einzige:  Thomas Mann, Rosa Luxemburg, der spätere Papst Pius XII.,  Rainer Maria Rilke aber auch Rudolf Heß zählen zu den Gästen, die irgendwann einmal in der idyllischen Isartalgemeinde die Sommerfrische verbrachten. Nicht wenige  blieben. Aus dem Nebeneinander von Einheimischen und ›Zoagroasten‹ wurde ein ungezwungenes Miteinander - und das funktioniert noch heute:  In einer der früheren Pensionen wohnt der Jazzer und Filmkomponist Klaus Doldinger, nebenan spielt die Irschenhauser Blaskapelle beim alljährichen Weiherfest auf.  

Das  400 Jahre alte ›Hollerhaus‹ ist unter der Ägide der Berlinerin Ingrid Lepsius zu einer vielbesuchten Galerie geworden, der Nachbar treibt seine Kühe wie eh und je mitten durchs Dorf auf die Weide. Hier der Altbürgermeister Stocker, der mit der ›Steirischen‹ zum Tanz aufspielt, dort der Bildhauer Sebastian Heinssdorff, der sich der kinetischen Plastik verschrieben hat: In Irschenhausen gehören Bauern und Künstler zusammen.  

Dafür steht insbesondere Hans Wach. Seit  elf Generationen gehört der  ›Schallnkamerhof‹ seiner Familie. Doch Hans Wach ist nicht nur Landwirt.  Mit Pinseln »groß wie zum Stallweiß´ln‹  malt er quietschbunte, riesige Bilder, und seinen  Hof bevölkern phantastische Figuren, zusammengeschweißt aus Schrott.

             

Buch: Klaus Reichold
Regie: Thomas Endl
Kamera: Hans Fischer, Michael Stier
Schnitt: Petra Knorr
 

Erstsendung am 13.08.2000
in der Reihe Unter unserem Himmel
im Bayerischen Fernsehen
Länge: 45 Minuten.