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Bayern im Nationalsozialismus
Vorträge, Exkursionen, Führung, Film-Matinée

Referent: Klaus Reichold

Foto: Thomas Endl


Auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden verfasste Adolf Hitler den zweiten Band seiner Propagandaschrift „Mein Kampf“. Aus einer stillgelegten Munitionsfabrik bei Dachau wurde das erste Konzentrationslager. Und das mittelalterliche Nürnberg, einstiger Schauplatz glanzvoller Fürstentreffen, wurde zur „Stadt der Reichsparteitage“.

Bayern war nicht nur die Wiege des Nationalsozialismus. Der Mythos von der angeblichen „Alpenfestung“ führte auch dazu, dass 1945 zahllose Luftkriegsflüchtlinge, getürmte Parteibonzen und ganze Sonderzüge voller Raubkunst im Schatten der Berge festsaßen.



Schule der Gewalt
Exkursion und Gespräch mit Albert Knoll: Das Konzentrationslager Dachau
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Wir finden uns unter Häftlingen wieder, die über die „Adolf-Hitler-Straße“ ins KZ Dachau getrieben werden, entdecken einen alten Bahndamm und stoßen auf  einen abgestellten Güterzug mit mehreren hundert Leichen. Das Übungsgelände der SS lassen wir links liegen. In einer verfallenden Plantage erfahren wir, wie sich das nationalsozialistische Deutschland vom Import ausländischer Kräuter und Gewürze unabhängig machen wollte. Im Archiv der Gedenkstätte erzählen uns Originaldokumente anhand konkreter Schicksale vom Grauen des Lageralltags.


Vortrag: Das Konzentrationslager Dachau
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Sommersitz der Wittelsbacher, Künstlerkolonie, Mekka für Liebhaber von exquisitem Tafelobst – die Geschichte des „alten“ Dachau ist verblasst. Denn nur wenige Wochen nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler entstand am Rande der Stadt das erste Konzentrationslager überhaupt. Die braune Propaganda sprach von einer vorbildlichen Erziehungsanstalt für „Kommunisten“, „Arbeitsscheue“ und andere „Volksschädlinge“. Tatsächlich war das Lager ein „Musterbetrieb“ nationalsozialistischen Terrors, in dem rund 41.500 Menschen zu Tode kamen.


 

Foto: Nicohofmann - CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7852125

Tempelstadt der Bewegung
Exkursion und Gespräch mit Florian Dierl: Nürnberg
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Wir steigen der größten Bauruine aus der Zeit des Nationalsozialismus aufs Dach, beobachten 354.900 Parteigenossen beim Gerangel um einen Platz in der Straßenbahn und glauben, uns ins antike Pergamon verirrt zu haben. Außerdem hören wir von einer Residenz Adolf Hitlers am Frauentorgraben. Unter dem Burgberg begegnen wir sieben  Kurfürsten und prüfen nach, ob die Reichskleinodien noch vollzählig sind. Zum Abschluss erkunden wir ein Wohnhaus, das eigentlich gar kein Wohnhaus ist.


Vortrag:
Nürnberg

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Im Mittelalter war Nürnberg eine der größten Metropolen Europas. Auf der Burg hielten Kaiser und Könige Hof. Im Heilig-Geist-Spital wurde der Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aufbewahrt. An der Pegnitz pochte das Herz abendländischer Macht. Adolf Hitler wollte an diese Tradition anknüpfen. Er erklärte Nürnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“ und damit zur wichtigsten Kulisse propagandistischer Selbstinszenierung. Mit den „Nürnberger Prozessen“ versuchte die Stadt, ihren  Ruf wiederherzustellen.



Zum Tee beim "Führer"
Vortrag: Der Obersalzberg
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Ein Bergbauernidyll, überragt von mächtigen Kalksteingipfeln, gesegnet mit sensationellen Ausblicken: Schon Clara Schumann, Carl von Linde und Siegmund Freud verbrachten hier ihre Sommerfrische. 1923 kam ein Fremder mit Oberlippenbärtchen auf den Obersalzberg. Er nannte sich „Herr Wolf“. Unter seinem wahren Namen Adolf Hitler vertrieb er ab 1933 die einheimische Bevölkerung, erklärte den Obersalzberg zum „Führersperrgebiet“ und baute das Areal neben Berlin zum zweiten Regierungssitz aus.


Exkursion und Gespräch mit Albert A. Feiber: Der Obersalzberg
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Wir imaginieren uns ein Panoramafenster mit einer Fläche von 32 Quadratmetern, steigen – wie in einem James-
Bond-Film – ins Reich des Bösen hinunter und machen Bekanntschaft mit einer resoluten Pensionswirtin, die zur Hauptfigur eines Bestsellerromans geworden ist. Beim „Türken“ erleben wir einen Auftritt des späteren „Führers“. Ein goldener Aufzug befördert uns auf den angeblichen Gipfel der Macht. Eva Braun ist allerdings nicht da und
der „Duce“ schon wieder abgereist.



Im Luftschutzkeller des Reiches
Vortrag: Bombenflüchtlinge in Bayern
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Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs lag Oberbayern noch außerhalb der Reichweite feindlicher Bomberflotten. Deshalb mieteten sich zahllose Luftkriegsflüchtlinge aus Norddeutschland in den Ferienhochburgen des Voralpenlandes ein. Schon bald gab es die ersten Zusammenstöße zwischen den unfreiwilligen Dauergästen und den Einhei-
mischen. Dann wurde auch noch das Bier knapp. 1945 eskalierte die Situation vollends.


Film-Matinée und Gespräch mit Dr. Katja Klee: Ausgebombt, evakuiert, heimatlos? (TV-Dokumentation von Klaus Reichold & Thomas Endl, BR 2004)
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Wir hören von einem Reichsluftfahrtminister, der Meier heißen will, falls es einem feindlichen Flugzeug gelingen sollte, in den deutschen Luftraum einzudringen. Wir beklagen den eklatanten Mangel an „Faltenröcken und hellen Kostümen“ im bayerischen Oberland. Und wir besuchen ein Kloster Tassilos III., das in eine „Kaserne für Kinder“ verwandelt worden ist. Außerdem treffen wir auf einen Berliner, der nur noch bayerisch spricht. Den Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ erleben wir in einem ausgedienten Salzstollen.



Ich gedenke zu plündern, und zwar ausgiebig
Vortrag: Die Raubkunst und die Folgen
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Die meisten Kunstwerke, die die Nationalsozialisten in ganz Europa zusammengerafft hatten, landeten in Bayern. In drei Sonderzügen, die in und um Berchtesgaden abgestellt worden waren, fand sich ein Großteil der „Sammlung Göring“. Adolf Hitler hatte seine „Schätze“ in den Luftschutzbunkern des Münchner Führerbaus verstecken lassen. Und Schloss Neuschwanstein diente als Hauptdepot für die vom „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ beschlagnahmten Kostbarkeiten. Die Rückgabe an die ursprünglichen Eigentümer ist bis heute nicht abgeschlossen.


Führung und Gespräch mit Dr. Ulrike Grammbitter: Die Raubkunst und die Folgen
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Wir wundern uns über den regen Lastwagenverkehr vor dem einstigen Verwaltungsbau der NSDAP, sagen Mi-
chelangelos „Brügger Madonna“ Grüß Gott und nehmen „Die Heuernte“ von Pieter Brueghel d.Ä. in Augenschein.  Angesichts des eiskalten Winters 1946/47 fühlen wir uns nach Sibirien versetzt und beobachten den heiligen Petrus, wie er – in einen dicken Schafpelzmantel gehüllt – 2.000 Kisten Kulturgut aus der UdSSR in der „Galerie II“ des ehemaligen Führerbaus einschließt.