Wir pflegen die Kunst, durch die Zeit zu reisen

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Glanz und Elend der Klöster
Vorträge und Exkursionen

Referent: Klaus Reichold

Die Reihe ist im Juli 2018 voererst zu Ende gegangen.

Jahrhundertelang waren Klöster gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Zentren des Landes, Schmelztiegel neuer Erkenntnisse, Laboratorien der Zukunft. Sie rodeten Wälder und sorgten für Kranke, pflegten die Kunst, die Musik und die Wissenschaften. 1803 schien diese Welt für immer unterzugehen.

Foto: Guido Radig - CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16123300

Insel der Seligen
Kloster Seeon
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Kaiser Heinrich II. gab im Seeoner Skriptorium herausragende Werke der mittelalterlichen Buchmalerei in Auftrag. Wolfgang Amadeus Mozart improvisierte auf der Orgel der Abteikirche und widmete den Mönchen zwei Offertorien. Kaiserinwitwe Doña Amelia von Brasilien, eine gebürtige Beauharnais, sorgte dafür, dass der säkularisierte Konventbau ab 1852 eine kurze Blüte als Kurbad erlebte. Heute ist Kloster Seeon, das 994 im Hinblick auf den angeblich unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang gegründet worden sein soll, das Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern. Auf dem Friedhof der früheren Spitalkirche findet sich das Grab einer Amerikanerin, die vorgab, eine Tochter des letzten russischen Zaren zu sein.


Foto: Thomas Endl

Weiß-blauer Escorial
Die Zisterzienserabtei Fürstenfeld
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Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung war die heutige Klosterkirche der größte Kirchenbau Altbayerns. Und die Schaufassaden der Konventtrakte erinnern nicht zufällig an Schloss Schleißheim: Kurfürst Max Emanuel wollte das wittelsbachische Hauskloster als Schauplatz höfischer Jagdspektakel nutzen – obwohl außer Frage stand, dass der Trubel „perturbation“ in den mönchischen Alltag bringen würde. Trotzdem bekam Fürstenfeld prächtige kurfürstliche Gemächer, einen Garten mit Springbrunnen – und eine Zucht für Leithunde. Die herausgehobene Stellung verschonte das Kloster nicht vor der Säkularisation: Am nahen Engelsberg fuhren sogar schon die Kanonen auf, um den Komplex in Grund und Boden zu schießen.


In kühner Lage über dem Fluss
Das Augustiner-Chorherrenstift Weyarn
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Am 6. Januar 1936 fuhr Adolf Hitler als erster über die nagelneue Mangfallbrücke der heutigen A 8 bei Weyarn. Zuvor galt der Ort als weltabgeschiedenes Idyll – obwohl hier seit 1133 ein reges geistliches Leben herrschte: In den Tagen der Reformation standen die Chorherren in Verdacht, mit Luther zu sympathisieren. In der Barockzeit überflügelten sie mit ihrer Kirchenmusik beinahe die Münchner Hofkapelle. Und bei der Säkularisation stellte sich heraus, dass sie mit dem „Codex Falkensteinensis“ ein Besitzverzeichnis mit den frühesten Burgendarstellungen Europas ihr Eigen nannten. Zwischen den Blättern fand sich auch ein geheimer Mordauftrag. Seit 1998 hat der Deutsche Orden seinen Hauptsitz in Weyarn.


Foto: Dr. Bernd Gross - CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35187217

Nationalheiligtum des frühen Bayern
St. Emmeram in Regensburg
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Königin Hemma, die Mutter der seligen Irmengard von Frauenchiemsee, soll in St. Emmeram begraben sein, ebenso Herzog Arnulf der Böse – und „Ludwig das Kind“, der letzte ostfränkische Karolinger. Auch der heilige Wolfgang, nach dem der Wolfgangsee benannt ist, hat in einer der drei Krypten seine letzte Ruhe gefunden. Die zeitweilige Reichsabtei, die über einem spätrömischen Friedhof errichtet wurde und sich schon früh mit dem Problem der Zeitrechnung befasste, gilt als Ausgangspunkt der Mission Böhmens. Heute hat eine Frau das Sagen im einstigen Männerkloster. Immerhin ist Gloria von Thurn und Taxis nach eigenem Bekunden strenggläubige Präfektin der „Marianischen Frauencongregation“.


Foto: Thomas Endl/Histonauten

Elendiglich in die Aschen gelegt
Vortrag: Kloster Benediktbeuern
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Die schneebedeckte Benediktenwand im Osten, die silbern glitzernde Loisach im Westen, dazwischen das urweltlich anmutende Kochelsee-Moor – schon Goethe jubelte: „Benediktbeuern liegt köstlich!“. Jahrhundertelang diente das Kloster als Reisestation hochmögender Persönlichkeiten. Seine Landwirtschaft zählte zu den modernsten Betrieben der Barockzeit.  Und in seiner Bibliothek schlummerte bis 1803 eine Handschrift, die sich als bedeutendste Sammlung weltlicher und geistlicher Lieder des europäischen  Mittelalters erwies: die „Carmina Burana“.

Exkursion: Kloster Benediktbeuern

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Wir röntgen den rechten Unterarm des heiligen Benedikt, folgen dem Vater der Gebrüder Asam aufs Gerüst und erleben das Kochelsee-Wunder. Danach brauchen wir nie mehr eine Kopfweh-Tablette. Deshalb verschwinden wir im Weinkeller. Wieder am Tageslicht, begutachten wir eine angeschwärzte Holzbalkendecke aus den Tagen von Christoph Kolumbus. Anschließend wandern wir durch alle Jahreszeiten, lernen den bayerischen Mabillon kennen und bedauern den Verlust von 1000 Gemälden. Der Tag klingt aus „im stillen Tann, da hebt ein lustig Küssen an“.


Foto: Rufus46 - CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1416188

Der Abt im Kettenhemd
Vortrag: Kloster Tegernsee
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„Dû bist mîn, ich bin dîn“ – wo ist der berühmteste Liebesgruß des Mittelalters erstmals aufgeschrieben worden? In Tegernsee. Wo ist der älteste erhaltene Glasfensterzyklus der Welt entstanden? In Tegernsee. Und wo haben die Eltern der legendären „Sisi“ geheiratet? In Tegernsee. Das einstige Benediktinerkloster gilt als geschichtsträchtiger Kulminationspunkt kultureller Entwicklungen und  vereint nach einem Wort des preußischen Historikers Heinrich von Treitschke alles, was Bayern ausmacht: ein Gotteshaus, ein Bräuhaus und das Königshaus.

Exkursion: Kloster Tegernsee
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Wir bringen uns in letzter Minute vor dem Antichrist in Sicherheit, stimmen zum Dank einen uralten Osterhymnus an und geleiten den Freisinger Fürstbischof „bey Ertönung der Glocken und Donnern des großen Geschützes“ von der Hafenlände zum Kirchenportal. Außerdem rezitieren wir lateinische Hexameter und huldigen dem russischen Zarenpaar. Der Wein aus dem Tegernseer Hof in der Wachau ist leider nicht mehr genießbar. Dafür amüsieren wir uns mit schuhplattelnden „Tiroler Furien“ und trinken bei Königin Karoline eine Tasse Kaffee.

Foto: MatthiasKabel - CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3169505

Der Himmel lächelt still herab
Vortrag: Stift St. Peter in Salzburg
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Die ebenso reiche wie originelle Bibliothek, der malerische Friedhof und die in den Fels geschlagene Gastwirtschaft haben jeweils über tausend Jahre auf dem Buckel. St. Peter ist die Wiege der Stadt Salzburg, das älteste bestehende Kloster im deutschen Sprachraum – und eine große Wunderkammer. Die 24 Benediktinermönche, die es heute noch gibt, hüten Notenhandschriften von Wolfgang Amadeus Mozart, eine „Ägyptische Kommode“ in Form des Hathor-Tempels von Dendera – und das Grab von Luthers Freund und Lehrmeister Johann von Staupitz.

Exkursion: Stift St. Peter in Salzburg
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Wir flanieren durch eine Galerie, die 200 Jahre lang verschlossen war, sagen dem heiligen Rupert Grüß Gott und stoßen hinter einer Tapetentür auf den leibhaftigen Erzabt. Seine Gnaden gewähren uns ein Privatissimum und entführen uns in die Salzburger Unterwelt. Mit einigem Glück gelingt es uns, dem Bruder von Joseph Haydn beim Orgelüben zuzuhören. Auf jeden Fall werden wir dem legendären Dr. Faustus begegnen, aber nicht verhindern können, dass der Salzburger Fürsterzbischof vor dem Refektorium des Klosters einen Latrinenturm aufrichten lässt.


Foto: Boschfoto - Lizensiert mit CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Lahme und Krumme gerad worden
Vortrag zu Kloster Andechs
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Am Anfang stand eine mächtige Burg. Ihre Besitzer gehörten zu den einflussreichsten Fürsten im damaligen Europa, brachten Herzöge und Heilige hervor. Erst sehr viel später kamen die Benediktinermönche auf den „Heiligen Berg“. Sie betreuten den sagenhaften „Heiltumsschatz“ und hinterließen einen handgeschriebenen Bericht über die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges. Pater Placidus Scharl, ein Freund der Familie Mozart, machte als Professor in Salzburg Karriere. Mit der Überzeugung, der Saturn sei bewohnt, lag er freilich falsch.


Exkursion zum Kloster Andechs
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Wir sehen eine Zugbrücke herunterrasseln, begegnen einem Woiwoden von Siebenbürgen und erfahren, dass Meran nichts mit Meranien, geschweige denn mit Merian zu tun hat. Außerdem fangen wir eine Kirchenmaus und stellen fest, dass das Brautkleid der heiligen Elisabeth dringend aufgebügelt werden muss. Unser Bedauern über das Schicksal der Bernauerin kommt leider zu spät. Aus Verzweiflung bringen wir einen Doppelbock zur Strecke.
Am Ende haben wir einen sitzen und singen das Lied vom gebratenen Schwan.


Im donnerumgrollten Chor
Vortrag zu den Chiemsee-Klöstern
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Ein Löwenkopf, der wohl aus den Tagen Karls des Großen stammt, ein Kampanile, der bald nach den Ungarneinfällen in den Himmel wuchs, ein Dom, der seit der Säkularisation auf seinen Wiederaufbau wartet – die Chiemsee-Inseln sind ein Mekka der Kunst und der Geschichte. Auch die Musikpflege wurde groß geschrieben: Norbert Hauner, Augustiner-Chorherr auf der Herreninsel, komponierte das Adventslied „Tauet, Himmel, den Gerechten“. In Frauenchiemsee, einem der ältesten bestehenden Nonnenklöster Europas, wirkt das spirituelle Erbe bis heute fort.


Exkursion zu den Chiemsee-Klöstern
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Wir hören eine versunkene Glocke läuten, bezeugen die Heilung des Wassersüchtigen und leihen bei König
Ludwig II. ein Spekuliereisen aus. Die gefürchteten Chiemsee-Stürme überstehen wir dank der seligen Irmengard ohne eine Spur von Übelkeit. Zum Mittagessen sind wir mit dem doppelten Lottchen verabredet. Anschließend suchen wir ein verschwundenes Kloster, begegnen dem Goggolori und sehen einen blauen Reiher. Am Ende schlafen wir zur Melodie der sanft ans Ufer plätschernden Wellen ein und träumen von gekrönten Äbtissinnen.