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München im Nationalsozialismus
Vorträge mit Führungen

Referent: Klaus Reichold


Bis 1945 war Adolf Hitler in München gemeldet. Das hiesige Großbürgertum hatte ihn überhaupt erst gesellschaftsfähig gemacht, seinen Aufstieg finanziert und die Publikation von „Mein Kampf“ ermöglicht.  Zum Dank wurde die „Hauptstadt der Bewegung“ Sitz der Partei. In der Isarmetropole erschien der „Völkische Beobachter“. Hier fand die Ausstellung  „Entartete Kunst“ statt. Der Krieg verhinderte, dass Hitler seine megalomanen Pläne zum Stadtumbau realisieren konnte – und der Widerstand, dass München sein Gesicht zur Gänze verlor.


Bearbeitetes Aquarell von Adolf Hitler (Alter Hof, 1914)


Die Stadt Hitlers
Vortrag: München - Wiege des Nationalsozialismus
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Anfang der 1920-er Jahre war München die viertgrößte Stadt im Deutschen Reich, eine lebendige Kunstmetropole – und voller Gegensätze: Frauenrechtlerinnen wie Ellen Ammann oder Anita Augspurg beantragten beim bayerischen Innenminister die Ausweisung eines Österreichers namens Adolf Hitler wegen Volksverhetzung. Das Verlegerehepaar Bruckmann dagegen empfing den verurteilten Putschisten in der Privatwohnung und führte ihn in einflussreiche Kreise ein. Die Isarmetropole wurde endgültig zur „Stadt des Hakenkreuzes“.

Führung: München - Wiege des Nationalsozialismus
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Wir suchen ein braunes und ein schwarzes Haus, sehen den Benimmkurs einer byzantinischen Prinzessin scheitern und wundern uns über einen „Beitrag zur Psychologie der Frau“ mit dem Titel „Das Weib und seine Bestimmung“. Außerdem beobachten wir, wie der spätere Reichsluftfahrtminister mit einem Steckschuss im Bein von der Familie eines jüdischen Möbelfabrikanten notversorgt wird. Das im Baedeker erwähnte Parteimuseum der NSDAP ist geschlossen. Dafür erfreut sich das Hotel, in dem Hitler mit seinen Berliner Gönnern dinierte, bis heute regen Zuspruchs.


Acropolis Germaniae
Vortrag: München - Hauptstadt der (Erd-)Bewegung
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Foto: Ralf Roletschek (talk) - Fahrradtechnik auf fahrradmonteur.de, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14502149

Ein Kuppelbau mit einer Höhe von 136 Metern als Ersatz für den alten Hauptbahnhof, eine Führer-Residenz in Steinhausen mit einer Grundfläche, die 18 Fußballfeldern entsprechen sollte, ein gigantisches „HJ-Forum“ zwischen Neubiberg und Fasangarten als „Eingangsportal“ einer neuen „Südstadt“ – Adolf Hitler wollte in München „fortsetzen“, was König Ludwig I. nur „angebahnt“ hatte. Schon die wenigen realisierten Projekte dienten den Nationalsozialisten als Kulisse für ihre ideologisch aufgeladenen Masseninszenierungen.

Führung: München - Hauptstadt der (Erd-)Bewegung
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Wir hören vom Sohn eines Eisenbahnunternehmers, der seine Münchner Villa verliert, wandeln über Böden aus Saalburger Marmor und fühlen uns unwillkürlich an Charlie Chaplin erinnert. Außerdem erfahren wir, wo das Archäologische Institut zuhause war und streicheln „Zwei Katzen in Blau und Gelb“. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Blick auf die Karibik rasselt der „Wagen der Meistersinger“ an uns vorbei. Wenige Meter weiter verschlägt es uns angesichts der geheimen Aktivitäten des Luftgaukommandos VII die Sprache.



Macht dem Schrecken ein Ende!
Vortrag: Widerstand in München
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Foto: Gryffindor - https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=355013

Das Attentat von Georg Elser, die todesmutigen Flugblattaktionen der Weißen Rose, die regimekritischen Predigten des Jesuiten Rupert Mayer – die Isarmetropole war vermutlich nicht die „Hauptstadt der Gegenbewegung“. Die „Unruhe des Gewissens“ machte sich aber auch in München bemerkbar: Alfred Delp, der Kirchenrektor von St. Georg in Bogenhausen, wurde wegen seiner Mitgliedschaft im Kreisauer Kreis hingerichtet. Und in den letzten Kriegstagen rief die „Freiheitsaktion Bayern“ dazu auf, die „Blutherrschaft“ der NS-Führung „auszurotten“.

Führung: Widerstand in München
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Wir suchen die Stelle, an der eine junge Studentin von einem pflichtversessenen Pedell aufgegriffen wurde, lauschen dem „Olympischen Reigen“ eines Kraftbayern, der sich unter großen Mühen durch die NS-Zeit mogelte, und gedenken im Schmuckhof einer früheren Regierungszentrale der Opfer eines Exekutionskommandos. In den Kellern einer verschwundenen Königsresidenz verhallen die Schreie von Gefolterten. Am Schluss fragen wir uns, wo die Asche eines gewissen „George Munger“ geblieben ist, der mit Sicherheit kein Angehöriger der US-Armee war.

Sonderführung JVA Stadelheim/Friedhof am Perlacher Forst: Widerstand in München
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Zum Abschluss unserer Reihe „München im Nationalsozialismus“ gibt es am Samstagnachmittag die exklusive Möglichkeit, den Gedenkraum für die im Gefängnis Stadelheim ermordeten Mitglieder der „Weißen Rose“ zu besichtigen und anschließend ihre Gräber auf dem Friedhof am Perlacher Forst zu besuchen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen beschränkt. Wenn Sie mitgehen wollen, brauchen wir Ihre verbindliche Anmeldung bis spätestens Freitagmittag, 12 Uhr, da wir Ihre Namen aus Sicherheitsgründen bei der Pforte der JVA Stadelheim melden müssen. Außerdem bitten wir Sie, Ihren Personalausweis mitzunehmen, damit die Pforte einen Datenabgleich vornehmen kann.